Veränderung als Chance

Veränderung macht Angst. Das geht uns allen so. Es ist die Angst vor dem Unbekannten. Wir wissen nicht, was uns erwartet. Ob wir die Herausforderung meistern. Oder daran scheitern und untergehen. Wir müssen das Gewohnte verlassen. Raus aus der Komfortzone in unbekannte Gewässer. Das fällt uns allen schwer.

Aber genau dafür sind Veränderungen gut. Sie zwingen uns, zu reflektieren und neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Dadurch bieten sie die Chance auf inneres Wachstum und persönliche Entwicklung. Nur wenn das Alte nicht mehr funktioniert sind wir bereit, Neues zu versuchen.

In Zeiten der Ruhe und Entspannung, bewegen wir uns naturgemäß weniger. Trotzdem sind diese Phasen nicht minder wichtig, damit wir das Gelernte vertiefen und uns regenerieren können. Dieser Teil kommt in der heutigen Zeit meist zu kurz. Die Veränderungen kommen dicht an dicht und Konsolidierungsphasen sind zunehmend seltener.

Da fällt es schwer, Schritt zu halten. Sind wir erschöpft und ausgebrannt, erleben wir Veränderung als Bedrohung. Doch wenn wir große Aufgaben gemeistert haben, gehen wir gestärkt daraus hervor und haben neue Fähigkeiten entwickelt. Dieses Potential erkennen wir, wenn wir innerlich ausgeglichen sind und um unsere Ressourcen wissen.

Doch wie gelingt es, die Angst vor dem Unbekannten gegen Freude an der Herausforderung einzutauschen?

Momente der Ruhe

Schwierig ist es, wenn wir den Veränderungen hinterherlaufen und den Eindruck haben, nichts mehr kontrollieren zu können. Permanent dringen äußere Einflüsse auf uns ein. Handy, E-Mail und soziale Netzwerke fordern ihren Tribut. Ruhe findet man im Großstadtalltag kaum noch.

Und unsere Gedanken überschlagen sich. Ständig sind wir beschäftigt mit der Zukunft, planen, schieben Termine hin und her. Oder wir hängen der Vergangenheit hinterher. Vermissen, was vermeintlich besser war. Beides hat seine Berechtigung. Allerdings in Maßen. Und uns muss bewusst sein, dass wir in beiden Situationen handlungsunfähig sind. Vergangenes ist gewesen und Zukünftiges noch nicht da.

Deshalb ist es wichtig, Phasen der Ruhe im Hier und Jetzt zu genießen. Denn das ist der einzige Moment, wo wir etwas tun können. Dabei hilft ein achtsamer Blick auf uns und unsere Situation.

Achtsamkeit

Jon Kabat-Zinn, ursprünglich Molekularbiologe der ein Programm zur achtsamkeits-basierten Stressreduktion (MBSR) entwickelt hat, benennt acht Faktoren der Achtsamkeit: Wertneutralität, Geduld, Akzeptanz, Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, die Fähigkeit, loszulassen, Mitgefühl als wohlwollender Blick auf uns selbst sowie ein „Anfänger- und Teflon Geist“.

Diese Haltung lässt sich gezielt üben und ist lächerlich einfach, in den Alltag zu integrieren. Schon wenn wir daran denken, achtsam zu sein, sind wir es bereits. Wir können achtsam abwaschen, kochen, essen, Auto fahren, spazieren gehen oder unserer Arbeit nachgehen. Indem wir mit unserer Aufmerksamkeit ganz bei dem sind, was wir gerade tun. Je achtsamer wir sind, desto größer werden innere Ruhe und Gelassenheit. Und wir gewinnen Kontrolle zurück.

Handlungsspielraum

Der Neurologe und Psychiater Viktor Emil Frankl schreibt dazu: „Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Fähigkeit und die Macht, unsere Reaktion zu wählen. In unserer Reaktion liegen unser Wachstum und unsere Freiheit.“

Je achtsamer wir sind, desto besser gelingt es uns, einen Schritt zurücktreten und zu reflektieren, was gerade ist. Wir können uns einen Moment Zeit nehmen, bevor wir reagieren. Jeden einzelnen kleinen Moment unseres Lebens, können wir selbst bestimmen. Wir können verschiedene Verhaltensweisen probieren und sehen, was sich am besten anfühlt. Durch Rückmeldung unserer Emotionen, können wir zunehmend im Einklang mit uns selbst handeln. Das gibt Sicherheit.Wir entwickeln emotionale Intelligenz.

Emotionale Intelligenz

Die Psychologen Peter Salovey und John D. Mayer definieren emotionale Intelligenz „als die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und Emotionen sowie die Gefühle und Emotionen anderer zu beobachten, zu unterscheiden und sich von den dabei gewonnenen Informationen in seinem Denken und Handeln leiten zu lassen.“

Wenn wir uns wohlwollend von außen betrachten, lernen wir uns zunehmend besser kennen.Wir wissen um unsere Stärken und Schwächen, wissen, was uns motiviert und was uns erfüllt. Je besser wir uns kennen, desto klarer können wir entscheiden, was wir gerade brauchen. Wir können ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln und im Einklang mit unseren inneren Werten handeln.

Die wiederum sind veränderbar. Im Laufe unseres Lebens verschieben sich Prioritäten. Steht zu Beginn eher Ausbildung und berufliche Karriere im Vordergrund, gewinnt im Verlauf die Familie an Stellenwert und im Alter die eigene Gesundheit. Durch Achtsamkeit erkennen wir, dass alles in Bewegung ist.

Agilität

Nur aus dieser inneren Stabilität heraus, können wir agil und flexibel bei allen Veränderungen mitgehen. Wenn wir wissen, wo wir gerade stehen, können wir differenzieren, in welchen Bereichen wir an uns arbeiten wollen. Nur so können wir im Prozess der Veränderung mitreden und Kontrolle behalten.

Dann ruhen wir in uns selbst und können entscheiden, wann wir wohin mitgehen. Dann macht Veränderung keine Angst mehr sondern Freude. Weil wir die Chancen erkennen, die darin verborgen liegen.